Neonicotinoide verursachen Bienensterben

Schon häufiger wurde hier im Blog über das Bienensterben und die Neonicotinoide gesprochen. Im März 2012 erschienen im Wissenschaftsmagazin Science zwei Studien zur Wirksamkeit von Neonicotinoiden auf Bienen und Hummeln. So konnte ein französisches Forscherteam um Pierrick Aupinel des staatlichen Instituts INRA den Nachweis erbringen, dass bereits geringe Dosen des Pestizides Thiamethoxam dazuführen, dass die Bienen nicht mehr in den Bienenstock zurückfinden und sterben.


Ihr Orientierungssinn wird so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr orientieren können; Neonicotinoide sind somit eine Ursache für den so genannten Völkerkollaps („colony collapse disorder“ (CCD)). Laut Aupinel ist der Verlust von Bienen dreimal höher, wenn Bienen vorher Kontakt zu Neonicotioniden haben. Dadurch gelang den Forschern der Nachweis, dass die neuartigen Pestizide, die unter den Begriff „Neonicotinoide“ zusammengefasst werden, eine Ursache für das Bienensterben sind. Bisher wurde in Deutschland offiziell von den Bieneninstituten die Meinung vertreten, dass vor allem die Varroa-Milbe das Bienensterben verursacht. Dies wird von vielen Imkern angezweifelt. Aupinel hat außerdem mit seinem Team festgestellt, dass Neonicotinoide das Immunsystem der Bienen schwächen, so dass Bienen (und Insekten allg.) stärker angreifbar für Krankheiten werden.

Für das Video möchte ich mich bei Knackbock bedanken.

Bayer CropScience finanziert Forschung der Bieneninstitute

Unternehmen wie Bayer CropScience, Syngenta und Monsanto testen in eigenen wissenschaftlichen Studien die Gefährlichkeit von Pestiziden. Mit viel PR setzten sich Bayer CropScience und Syngenta für Bienen ein, verteilen Samen für Bienenweiden, etc., aber dies soll die eigentlichen Probleme, die durch Neonicotinoide verursacht werden, nur verschleiern. Ein Beispiel für das Verschleiern findet man auf der Homepage von Bayer CropScience, wo man sich unter dem Punkt Nachhaltigkeit etwas heuchlerisch für Artenvielfalt eingesetzt. Bezahlte Wissenschaftler bringen die gewünschten Ergebnisse. Bayer CropScience finanziert übrigens auch das Bienenmonitoring der Bieneninstitute. Bieneninstitute verkommen so zum langen Arm der Unternehmen und schützen so die Industrie vor Verboten. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie solche Insektizide zugelassen werden können, wenn die Forschung überwiegend von Unternehmen finanziert wird.

Negative Auswirkungen von Neconicotinoiden auf Hummeln nachgewiesen

Eine weitere Studie brachte übrigens den Nachweis, dass Neonicotinoide sich negativ auf die Populationen von Hummeln auswirken. Es muss noch einmal klar gesagt werden, dass Neonicotionide Nervengifte sind, weswegen ich im folgenden Abschnitt auch einen Bericht von 3sat zu Pestiziden und Parkinson, einer Nervenerkrankung, auführe.

Pestizide und Parkinson

Interessant sind außerdem auch Forschungsergebnisse aus anderen Bereichen. So konnte wohl nachgewiesen, dass Landwirte, die oft mit Pestiziden arbeiten bzw. gearbeitet haben, häufiger an Parkinson erkranken. Wer sich dafür interessiert findet im 3sat-Video „Zusammenhang von Pestiziden und Parkinson“ nähere Information. In Kanada wurde der Gebrauch von Pestiziden daraufhin eingeschränkt. Ein weiterer Bericht aus dem Schweizer Fernsehen greift das Thema auch auf.

Ich denke, dass es mittlerweile ausreichend Beweise für ein Verbot von Neonicotinoide & vielen Pestiziden gibt. Auch die Nutzung in der Landwirtschaft sollte viel stärker eingeschränkt werden. Außerdem sollten schnell bestimmte Substanzen verboten werden.

Folgende Aktionen halte ich für sehr unterstützenswert:
Campact Aktion gegen das Bienensterben
Demo für eine bessere Landwirtschaft und gegen eine Agrarindustrie

Wer sich für die Auswirkungen der Neonicotinoide interessiert, den empfehle ich das folgende Buch: „Das Ende“ der Artenvielfalt“ von Dr. Henk Tennekes. Auch das Buch zur bekannten Dokumentation „More than Honey“ greift das Thema verständlich auf.

Interessante Artikel zum Thema; leider nur kostenpflichtig auf Science abrufbar.
„A Common Pesticide Decreases Foraging Success and Survival in Honey Bees“ (2012)
„Neonicotinoid Pesticide Reduces Bumble Bee Colony Growth and Queen Production“ (2012)

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3 Gedanken zu „Neonicotinoide verursachen Bienensterben

  1. Pingback: Neonicotinoide verursachen Bienensterben « Ökolandbau vs. Agrarindustrie

  2. Hast Du den Tennekes gelesen?

    Ansonsten, man glaubt es kaum, tut sich ja gerade tatsächlich etwas bzgl der Neonicotinoide. Und zwar von der EU, bzw. der EFSA (hätte ich nie gedacht):
    http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/130116.htm
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/insektizide-eu-behoerde-erklaert-drei-gifte-zur-gefahr-fuer-bienen-a-878024.html

    Bayer hat das vielleicht auch kommen sehen, zumindest haben sie schon letztes Jahr einen PR(-Präventiv)-Schlag geführt:
    http://www.topagrar.com/news/Acker-Wetter-Ackernews-Bayer-stellt-neues-Bee-Care-Center-vor-932819.html

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