Mein Imkerkurs – ein Erfahrungsbericht zum ersten Bienenjahr

Anfang 2012 habe ich mich zu meinem Imkerkurs angemeldet. Ein Freund hatte in mir den Gedanken entzündet, sich näher mit Bienen zu beschäftigen. Meine Urgroßmutter war Imkerin und war in unserer Familie nur als die Bienenoma bekannt. So gab es auch bereits ein dünnes familiäres Band zu den Bienen. Die Suche nach einem Kurs startete ich über das Internet, jedoch musste ich Anfang Januar 2012 feststellen, dass es kaum noch freie Plätze in Hamburger Imkerkursen gab.

Lehrimkerstand im Wildpark Schwarzeberge

Letztendlich erhielt ich einen der letzten Plätze im Imkerkurs des Imkervereins Harburg im Wildpark Schwarze Berge unter der Leitung von Martin Opitz. Wir waren anfangs etwas mehr als 20 Teilnehmer und der überwiegende Teil hielt auch bis zum Ende durch. Ein buntgemischter Haufen angehender Jungimker, den ich persönlich als sehr nett und interessiert wahrgenommen habe.

Der Kurs erstreckte sich von Mitte Februar bis Mitte August 2012 über verschiedene Termine und umfasste Theorie und Praxis. Den genauen Ablauf habe ich im vergangenen Jahr im Blog dokumentiert. Ich denke, dass ein Imkerkurs zum Halten von Bienen eigentlich unerlässlich ist, da er ein notwendiges Grundwissen vermittelt. Hierzu gehört u.a. ein Verständnis für die Biene an sich, aber auch viel Wissen zur Bienenhaltung und zu Imkereibedarf.
Grundsätzlich habe ich anfangs den Aufwand unterschätzt. Imker zu sein, erfordert m.E. verschiedenes:

  • körperliche Fitness: kleine Bienenstöcke wiegen bereits mehr als 20kg; da man sehr viel heben muss, brauch man zwangläufig eine gewisse körperliche Kraft
  • Zeit: Der wichtigste Teil des Bienenjahres findet zwischen Ende April bis Mitte September statt. In dieser Zeit sollte man die Zeit haben, einmal pro Woche seine Bienenvölker zu kontrollieren. Außerdem ist die Honigverarbeitung zeitaufwendig. Wer im Sommer längere Zeit wegfahren möchte, braucht eine Vertretung.
  • Geld: Wer sich für das Imkern entscheidet, muss sich darüber im klaren sein, dass Imkern nicht unbedingt ein kostengünstiges Hobby ist. Selbst wenn man etwas günstiger mit einer Bienenkiste anfängt, bleibt das Hobby teuer. Nicht nur die Bienen kosten Geld, sondern auch der Bienenstock, Imkereibedarf wie ein Smoker, Schutzbekleidung, etc. müssen finanziert werden. Dazu kommen Kosten für Materialien zur Honiggewinnung und Mitgliedsbeitrag für den Imkerverein. Im Mitgliedsbeitrag enthalten ist nämlich eine spezielle Haftpflicht, um Schäden aus der Imkerei zu versichern. Ein Volk mit Bienenkiste kostet ca. 300€ in der Anschaffung.
  • Standort: Für die Bienen brauch man auch einen geeigneten Standort. Wer keinen Garten hat, sollte frühzeitig anfangen zu überlegen, wo man die Bienen vielleicht hinstellen könnte und wen man dafür fragen muss. Hierfür sollte man ausreichend Zeit einplanen.

Imkern – wie möchte ich meine Bienen halten?

In Imkerkreisen spricht von statt von Bienenhaltung für gewöhnlich von Betriebsweise. Anfangs habe ich gedacht, dass ich mit der Bienenkiste imkern möchte. Besonders der Gedanke, dass die Imkerei mit der Bienenkiste naturnäher ist fand ich interessant. Viele Menschen, die mit der Bienenkiste imkern, verzichten jedoch darauf, sich mit den Tieren und ihrer Haltung im Detail zu beschäftigen.

Hierzu ein kurzer Bericht zur Bienenkiste von TIDE TV in Hamburg.

Schnell lernt man aber, dass es eigentlich kaum möglich ist, z.B. wirklichen Bio-Honig zu produzieren, wenn es im Umkreis der Bienen keine Biolandbau gibt. Bio meint in diesem Zusammenhang, Details der Bienenhaltung wie den Verzicht auf Styroporbeuten. Grundsätzlich ist es aber der Biene verhaltensbiologisch egal, ob sie in einer Bienenkiste, Holzneute oder in einer Styroporbeute wohnt.

Um einen besseren Eindruck von Imkern zu bekommen, hilft das folgende Video. Sebastian Herb, Imker, arbeitet mit Bienenbeuten / Magazinen, die aus einzelnen Modulen bestehen.

Teil 1 „So entsteht Honig“ von fudder.de

Teil 2 „Imkern für Anfänger“

Ausdrücke wie „die Biene findet x besser als y“ vermenschlichen das Tier zu sehr. Hier sollte man für sich entscheiden, wie man imkern möchte. Bei beiden Varianten fallen ähnliche Arbeiten an. Persönlich bevorzuge ich Bienenbeuten / Magazine, da sie verschiedene Vorteile haben. Wer naturnäher Imkern möchte, sollte sich eher an den Demeterkriterien (so genannte Demeter-Imker) für Imker orientieren als an der Bienenkiste.

Bienenbeuten sind modular erweiterbar und dafür gemacht, dass man regelmäßig damit arbeitet, sie öffnet. Wenn man das Gewicht der Waben und Bienen berücksichtigt, ist das Arbeiten mit einer Bienenkiste nicht unbedingt einfacher sondern in meinen Augen nur anfangs günstiger. Wer heutzutage imkert, muss unbedingt daran denken, dass er die Bienen beispielsweise immer gegen die Varroamilbe behandeln muss, so dass ein leichteres Öffnen und Schließen nicht nur für die Honigernte von Vorteil ist. Wer nur ein Volk halten will und etwas Honig für sich mit wenig Aufwand haben möchte, kann gut mit der Bienenkiste anfangen. Trotzdem sollte man aber an einem Imkerkurs teilnehmen! Oft wird das Imkern mit der Bienenkiste als das umweltfreundlichere Imkern dargestellt; vermutlich hat das Imkern mit Bienenbeuten auch deshalb einen schlechten Ruf, weil viele damit Imkervereine und verschrobene Imker verbinden, jedoch sollte sich die Praxis der Imker zum Wohl der Bienen das Imkern kaum unterscheiden, egal für welche Variante man sich entscheidet.

Dokumentation des Imkerkurses 2012 – zum Ende hin fehlen einige Seminartage.
1. Seminartag Imkerkurs 2012
2. Seminartag: Kurze Einführung in die Bienenbiologie
3. Seminartag: Imker werden
4. Seminartag: Rähmchen bauen
5. Seminartag: Flohmarkt & Bienenhaltung
6. Seminartag: Lehrimkerstand Wildpark Schwarze Berge
7. Seminartag: Rapswanderstand bei Maschen
Fotos von Rapswanderstand bei Maschen
8. Seminartag: Völkerkontrolle (Teil 1)
10. Seminartag: Besuch der Belegstelle im Sachsenwald (Teil 1)
10. Seminartag: Besuch der Belegstelle im Sachsenwald (Teil 2)
Fotos von der Belegstelle Sachsenwald

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